Lydia Eymann. Doppel-CD. Luzern: Der gesunde Menschenversand 2012.

 

[Rezensionen]

Ein Radiobeitrag in "Schwiiz und quer".

Gesendet auf DRS1 | 20. März 2012.

Moderation: Mike La Marr.

Redaktion: Stefan Brand.

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Ein Radiobeitrag zur Doppel-CD von Priska Dellberg |Gesendet auf DRS1 und 2

01. März 2012.

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Von Kathrin Holzer |Erschienen in Berner Zeitung

01. März 2012

Im Gedenken an das letzte Dorforiginal

LANGENTHAL Zeitlebens eine kompromisslose Kämpferin gegen Ungerechtigkeit, ist Lydia «LE» Eymann am 1. März 1972 verstorben. Zwei Hörspiele sollen jetzt das Andenken bewahren an die Frau, die ihrer Zeit so weit voraus war.

Als Kind soll sie darunter gelitten haben, kein Junge zu sein. Vielleicht, weil der Vater sich einen Sohn als Nachfolger gewünscht hatte. Vielleicht aber auch, weil sie früh schon begriffen hatte, dass Frauen und Männern nicht die gleichen Rechte zugestanden wurden. «Leider bin ich erwachsen, obwohl mir das schrecklich leidtut», hat Lydia Eymann einmal geschrieben. «Aber mit Vernunft begabt bin ich gottlob nicht, sonst könnte ich mindestens in der Gemeinde mein Stimmrecht ausüben.»

Es waren Aussagen wie diese, die Lydia Eymann so unverkennbar machten. Zeitlebens hatte

sich LE, wie sie sich kurz nannte, gegen Ungerechtigkeiten gewehrt und sich für all jene eingesetzt, die selber keine Stimme hatten. Ein «Rabauzeli» sei sie gewesen, sagen jene, die sie persönlich gekannt haben. Ein an sich sensibler Mensch zwar und eine grosse Naturliebhaberin, einsam aber auch und schroff im Umgang mit anderen Menschen. Eine Frau, die, Latzhosen tragend, Auto fahrend, fischend und Zigaretten rauchend, so ganz und gar nicht dem Frauenbild ihrer Zeit entsprach. Eine engagierte Kämpferin auch, die meist glaubte, es besser zu wissen – und es oft auch tat. Ein Dorforiginal, wie es nach ihr in Langenthal nie mehr eines geben sollte.

Die eigene Grebt gefeiert

 

Dass diese einmalige Persönlichkeit nicht in Vergessenheit gerät, ist auch dem Vorstand der von Lydia Eymann testamentarisch verfügten Stiftung ein Anliegen. «Die Menschen, die sie noch persönlich gekannt haben, werden immer weniger», sagt Stiftungsratspräsident Martin Stauffer aus Langenthal. Im Auftrag der Stiftung haben die Autoren Michael Stauffer und Rolf Hermann deshalb das grosse Archiv von Lydia Eymann gesichtet und anhand des Gefundenen zwei Hörspiele verfasst. Heute Abend werden diese im Hotel Bären erstmals vorgestellt – pünktlich zu Lydia Eymanns 40. Todestag. Und ebendort, wo diese sich zehn Monate vor ihrem Tod mit einem grossen Fest verabschiedet hatte.

Denn so eigenwillig sie gelebt hatte, so eigenwillig blickte sie auch ihrem Tod entgegen. «Da ich nicht weiss, wann es mich putzt, will ich an meiner Grebt noch ‹läbig› dabei sein», schrieb sie in der Einladung zu ihrem 70. Geburtstag am 14. Juni 1971. Ein üppiges Mahl soll sie ihren Gästen dort aufgetischt haben.

Langenthal und die Welt

 

An Geld hatte es ihr nicht gemangelt. 1901 als dritte und jüngste Tochter des damaligen Bären-Wirtepaares geboren, war Lydia Eymann in einer vornehmen und auch offenen Welt aufgewach-sen. Schon als Kind reiste sie mit der Mutter jeden Sommer nach Italien, den Vater durfte sie mehrmals nach London begleiten. Die älteren Schwestern waren schon verheiratet, als die Eltern den Bären verkauften und mit der 20-jährigen Lydia Eymann an den Genfersee zogen. Nach dem frühen Tod des Vaters kehrten Mutter und Tochter 1928 nach Langenthal zurück, wo sie an der Aarwangenstrasse 55 ein Haus bauen liessen. Bis zu ihrem Tod sollte es Lydia Eymanns Zuhause bleiben.

Ihre Lehr- und Wanderjahre führten sie aber auch in verschiedene Länder Europas. Früh entdeckte sie ihre Liebe zur Fotografie und zur Malerei, besuchte Kunstgewerbeschulen in Genf und Paris. Aber mehr noch widmete sie sich dem Schreiben, verfasste Glossen und politische Kommentare, Anleitungen zur politischen Aktion, Gedichte und Schnitzelbänke. Während der Kriegsjahre leistete sie als Rotkreuzfahrerin 1300 Diensttage für den Frauenhilfsdienst, was ihr den höchsten Offiziersrang einbrachte. Diese Zeit, insbesondere die fehlende Wertschätzung gegenüber den Frauen, die sich damals so stark eingesetzt hatten, sollten für Lydia Eymann prägend bleiben. Ihre humoristischen Karikaturen wurden nun seltener, die Gleichberechtigung und der Naturschutz fortan ihre wichtigsten Anliegen.

«Jetzt hat sie wieder . . . »

 

Als ihr der damalige Redaktor des «Langenthaler Tagblatts» 1952 anbot, in satirischen Glossen Stellung zu nehmen zur Tagespolitik, liess sie sich nicht zweimal bitten. Bis zu ihrem Tod nutzte sie die Plattform, kritisierte als scharf-sinnige Beobachterin offen den zunehmenden Bauboom und die fahrlässige Verschmutzung ihrer geliebten Langete.

Ihr kompromissloses Engagement brachte Lydia Eymann nicht nur Wohlwollen ein. «Jetzt hat sie wieder . . . », habe es jeweils geheissen, erinnert sich Stiftungsratspräsident Stauffer an die Reaktionen auf ihre Beiträge im «Langen-thaler Tagblatt». Lydia Eymann nahms gelassen. Auf den Brief eines erbosten Lesers reagierte sie mit einem Zitat von Konfuzius: «Das Rechte erkennen und nichts tun ist Mangel an Mut.» – «Der Polizei ins Milchbüechli» gab sie mit: «Und sei es wann auch immer, wenn je man Anonymes sah, so war es nie und nimmer, von Eymann Lydia.»

Viele Langenthaler hat Lydia Eymann mit ihrem Tun geärgert. Ebenso viele aber auch erfreut und ermutigt. Ganz sicher war sie ihrer Zeit in so manchen Dingen weit voraus. Dreizehn Monate vor ihrem Tod kam es dann doch noch, das von ihr so lange geforderte Frauenstimmrecht. Vielleicht auch dank Frauen, wie Lydia Eymann eine war.

«Lydia Eymann war sich ihrer Rolle als Dorf-original vollkommen bewusst, mehr noch, sie war

stets bedacht, etwas Ausgefallenes zu unterstützen.»

Langenthaler Tagblatt, 6. 2. 1978

ZWEI HÖRSPIELE

Mit zwei Hörspielen lassen die Bieler Autoren und Spoken-Word-Performer Michael Stauffer (2009 Stipendiat der Stiftung) und Rolf Hermann das Leben und Werk der Lydia Eymann noch einmal aufleben. Im Auftrag der Stiftung haben sie das Archiv an der Aarwangenstrasse gesichtet und aus ihren Funden zwei Hörspiele gemacht: Das «Porträt von LE» folgt deren flüchtigen Lebensspuren anhand von Notizen, Glossen, Leserbriefen, Bildkommentaren und Erinnerungen von Zeitzeugen. Die «Kriminalgeschichte» basiert auf dem Fragment eines versponnenen Kriminalromans von Lydia Eymann und enthält ebenfalls autobiografische Elemente.

Erstmals vorgestellt werden die Hörspiele heute anlässlich des 40.Todestages von Lydia Ey-

mann. Nebst den Autoren liest auch die aktuelle Stipendiatin Melanie S. Rose. pd/khl

Hörspiel-Vernissage: heute Donnerstag,

1. März 2012

20 Uhr, Bären, Langenthal.

 

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Von sc | Erschienen in Luzerner Zeitung

24. Februar 2012

Wie eine Bachforelle gegen den Strom

HOMMAGE Zwei neue Hörspiele würdigen ein mittelländisches Original: Ihr Begräbnis inszenierte sie gleich selbst.

Die Fotografie, die als Coverbild diese Doppel-CD ziert, lässt erahnen, dass Lydia Eymann nicht zum Stamm der grauen Mäuse gehörte: Mit zerzausten Haaren und knorrigem Blick, die Zigarette im Mundwinkel, gekleidet in grob-stoffliche Latzhosen und Hemd, ist sie in ein rotes Büchlein vertieft.

«LE», wie sie sich selber nannte, neigte nicht bloss zur optischen Provokation. Würde Lydia Eymann wiedergeboren, sie käme wohl als Bachforelle zurück, orakelt eine Zeitzeugin im Hörstück «Porträt von LE», das jetzt im Luzerner Verlag Der gesunde Menschenversand erschienen ist. Aber was für ein Fisch! Zitat: «Sie würde wohl nicht mit dem Schwarm schwimmen, sondern gegen den Strom.»

Aus weltoffenem Haus

Kein Wunder, galt Eymann in Langenthal, wo sie 1901 geboren wurde und in der weltoffenen Atmosphäre des von ihren Eltern geführten Hotels Bären heranwuchs, als Original. Vom Vermögen, das ihr der «Bären»-Wirt hinterliess, konnte sie gut leben – und sie nutzte ausgiebig die Unabhängigkeit, die sich daraus ergab.

«Sie war stets bedacht, etwas Ausgefallenes zu unterstützen», schrieb nach ihrem Tod im Jahr 1972 das «Langenthaler Tagblatt», das Eymann dann und wann als Plattform für ihre «Geistes-blitze» genutzt hatte: Mit beissendem Spott nahm sie das politische Tagesgeschäft und das dörfliche Geschehen aufs Korn, sie schrieb satirische Kommentare, betätigte sich als Fotografin, bildende Künstlerin, Schriftstellerin und störrische Zeitgenossin.

Der Stadt Langenthal hinterliess Lydia Eymann nach ihrem Tod eine Stiftung, die bis heute Kulturschaffenden in einer Liegenschaft inLangenthal ein Stipendiat anbietet. Zu ihrem 40. Todestag liess die Stiftung nun von den Spoken-Word-Autoren Rolf Hermann und Michael Stauffer zwei Hörstücke produzieren, die Leben und Wirken der Lydia Eymann würdigen.

Im Stück «Porträt von LE» komponierten sie aus Zeitzeugenaussagen, Tagebuchnotizen, Glossen, Leserbriefen und Bildkommentaren eine viel-stimmige Monografie. Für das zweite Hörspiel «Kriminalgeschichte» diente ein längerer Text aus Lydia Eymanns Archiv als Vorlage, es ist das Fragment eines Kriminalromans.

Geburtstag als Abdankung

Unter den recht skurrilen Eigenarten, die von Lydia Eymann überliefert sind, hat eine Begebenheit besonders nachhaltigen Eindruck gemacht: Zehn Monate vor ihrem Todinszeniertesie ihren Geburtstag als Begräbnis und lud hiefür «Freund und Feind» ins Hotel Bären ein. Auf die Einladungskarte schrieb sie: «Da ich nicht weiss, wann es mich putzt, will ich an meiner Gräb noch läbig dabei sein.» Erinnerungen von damaligen Gästen an dieses sehr spezielle Geburtstagsfest inklusive Details zum servierten Mehrgangmenü sind in diesem Hörbuch ausgiebig dokumentiert.

HINWEIS

Rolf Hermann/Michael Stauffer: Lydia Eymann 

(2 CD, Verlag Der gesunde Menschenversand)

 

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Von Urs Hangartner | Erschienen in kulturtipp

Nr. 5/12, 25. Februar – 09. März 2012

Ehrung eines Originals

 

Daheim im bernischen Langenthal galt Lydia Eymann (1901–1972) zeitlebens als Original. Sie war, so eine Zeitzeugin, «modern, ihrer Zeit voraus», weil sie als Frau rauchte und Auto fuhr. Ihr grosses Engagement galt der Natur. Sie war im Frauenhilfsdienst während des Zweiten Weltkriegs und kämpfte für die Gleichberechtigung. Und sie schrieb. Aber ausser Glossen und Leserbriefen wurde praktisch nichts veröffentlicht – von ihr, die einst beim Essen nach der Nobelpreisverleihung 1934 zufälligerweise mit dem Gewinner Luigi Pirandello am Tisch sass.

Nach Recherchen im Archiv der Stiftung Lydia Eymann haben Rolf Hermann und Michael Stauffer zwei Hörspiele kreiert: Eine unterhaltsame biografische Collage, ein schön lebendiges Porträt, und eine «Kriminal-geschichte». Erzählt wird darin die Geschichte vom schriftstellernden Hobby-Detektiv, der in einer dubiosen Militärstollenbau-Angelegenheit ermittelt.

HÖRBUCH

Lydia Eymann. Zwei Hörspiele von Rolf Hermann und Michael Stauffer. 2 CDs, 112 Minuten. Der gesunde Menschenversand.

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Von Urs Byland | AZ – Langenthaler Tagblatt

16.02.2012

Lydia Eymann: Doppel-CD für das Langenthaler Original

Die Stiftung Lydia Eymann hat zum 40. Todestag der Langenthalerin eine CD in Auftrag gegeben. Herausgekommen sind zwei Hörspiele. Eines porträtiert die ungewöhnliche Frau, das andere ist eine Kriminalgeschichte von ihr.

Am 1. März jährt sich der Todestag von Lydia Eymann (1901–1972) zum 40. Mal. Die Langenthalerin hinterliess der Stadt unter Mithilfe ihrer Schwester Clara eine Stiftung mit einem ansehnlichen Vermögen. Diese sorgt dafür, dass Lydia Eymann noch heute vielen Langenthalern bekannt ist.

Spezielle Würdigung

Die Stiftung bietet Stipendiatinnen und Stipendiaten während eines Jahres in der Liegenschaft Aarwangenstrasse 55 Unterkunft. Zusätzlich ermöglicht ein monatlicher Beitrag von 3000 Franken eine Zeitspanne unabhängigen Schaffens. Aktuelle Stipendiatin ist die Autorin Melanie S. Rose.

Am 40. Todestag wird Lydia Eymann speziell gewürdigt. Die Stiftung hat eine Doppel-CD in Auftrag gegeben, mit der Eymanns Wirken Gestalt erhalten soll. Aussagen und Erinnerungen von Zeitzeugen sowie ein bisher unveröffentlichter Krimitext werden auf den CDs wiedergegeben. Die Autoren und Wort-Performer Michael Stauffer (ebenfalls schon Lydia-Eymann-Stipendiat) und Rolf Hermann haben das Archiv an der Aarwangenstrasse 55 gesichtet. Als Resultat ihrer Recherchen liegen zwei Hörspiele vor.

 

Kurioser Geburtstag

Die Vernissage der Doppel-CD führt die Interessierten an den Ort, wo LE, wie Lydia Eymann sich zeitlebens nannte (ihr Stempel hinterliess zusätzlich ein L für Langenthal, siehe Bild), aufgewachsen ist – in den «Bären». Ihre Eltern führten das Hotel Bären. Die jüngste von drei Töchtern wuchs in einer vornehmen Welt auf. Nach dem Verkauf des «Bären» zog die Familie an den Genfersee. Aber nach dem Tod des Vaters 1928 kehrten Mutter und Tochter Lydia wieder zurück nach Langenthal und liessen an der Aarwangenstrasse 55 ein Haus bauen.

Eymann war mit ihrer Heimatgemeinde verbunden wie nur wenige Bürgerinnen und Bürger. Sie war stolz auf ihr Burgerrecht. Ihre kritische Anteilnahme am Dorfgeschehen bekundete sie oft im «Langenthaler Tagblatt». Sie setzte sich für Umweltschutz ein, als noch niemand von Umweltschutz sprach und sie setzte sich auch für den Erhalt von Kulturgütern und Traditionen ein. Eymann war bekannt für ihr Sozialempfinden und Gerechtigkeitsgefühl.

 

«Freund und Feind»

Und sie war ein Langenthaler Original, die auch spezielle Aktionen nicht scheute. Zehn Monate vor ihrem Tod inszenierte sie ihren Geburtstag als Begräbnis und verabschiedete sich von «Freund und Feind» im Hotel Bären. Zur Begründung schrieb sie auf die Einladungskarte: «Da ich nicht weiss, wann es mich putzt, will ich an meiner Gräb noch läbig dabei sein.»

Erinnerungen von Zeitgenossen an dieses letzte Geburtstagsfest sind ebenso im Hörspiel auf der CD enthalten wie persönliche Erinnerungen aus ihrem Freundeskreis oder die kurios-gluschtige Beschreibung des Grabmahls im «Bären» und vieles mehr.

Vernissage Doppel-CD «Lydia Eymann» Zwei Hörspiele von Rolf Hermann und Michael Stauffer, Donnerstag, 1. März, 20 Uhr, Hotel Bären. Mit Podium und Lesungen aus Texten von LE. Gast ist Melanie S. Rose.

 

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Von Urs Byland | Erschienen in AZ – Langenthaler Tagblatt

03. März 2012

Michael Stauffer: «Lydia Eymann war ein sehr freier Mensch»

Im Hotel Bären wurde die Doppel-CD «Lydia Eymann» dem Publikum vorgestellt. Gut 100 Personen nahmen an dem Event teil, sie alle wollten mehr erfahren zur Fotografin, bildenden Künstlerin und Schriftstellerin Lydia Eymann.

Wie hält eine Stiftung die Erinnerung an ihre Gründerin hoch? Diese Frage habe sich auch der Stiftungsrat der Stiftung Lydia Eymann gestellt, erklärt Präsident Martin Stauffer dem Publikum. Und hätte sich die Stiftung nicht rechtzeitig dieser Frage gestellt, «dann hätten wir fast etwas verloren».

Gut 100 Personen haben sich am 1. März, auf den Tag genau 40 Jahre nach dem Tod von Lydia Eymann, im Barocksaal eingefunden. Sie wollen etwas erfahren zur Person Lydia Eymann, die sich als Fotografin, bildende Künstlerin und Schriftstellerin betätigte.

Die Tochter des früheren «Bären»-Wirtepaars Friedrich Robert Eymann und Anna Maria Sommer liess mit ihrem Geld eine Stiftung gründen. Ursprünglich sollte die Stiftung das gestiftete Vermögen verwalten und die Bibliothek mit 5000 Bänden fachgerecht betreuen. Heute unterstützt die Stiftung Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Kost und Logis für ein Jahr Schaffen in Langenthal.

 

Nicht vergessen gehen

Im Hotel Bären steht an diesem Abend die Doppel-CD «Lydia Eymann» im Vordergrund. «Für mich ist die CD zu einem Zeitfragment geworden», wird Martin Stauffer am Ende des Anlasses sagen. Die CD enthält zwei Hörspiele, einerseits das «Porträt von LE», wie sie sich nannte, andererseits die «Kriminalgeschichte», aus der Feder von Lydia Eymann. Vor drei Jahren, berichtet Stiftungsrätin Annette Geissbühler, habe sie mit Ratskollege Roland Binz Kontakt mit dem als Hörspielproduzent bekannten Autor Rolf Hermann Kontakt aufgenommen.

Er erhielt den Auftrag, zusammen mit Autor Michael Stauffer, ehemaliger Eymann-Stipendiat, ein Porträt von Lydia Eymann zu erarbeiten. Zur Verfügung hatten die beiden das Archiv in Eymanns ehemaligem Haus an der Aarwangenstrasse 55, in dem heute den Stipendiaten eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Es habe mehrere Gründe für diesen Stiftungsauftrag gegeben, sagt Martin Stauffer. Der Wichtigste aber war, dass kaum noch jemand die Person Lydia Eymann persönlich kenne.

 

Zeitzeugen berichten

Das Werk, das an Eymanns 40. Todestag vorgestellt wird, bietet auf mehreren Ebenen die Möglichkeit, sich der Person von LE zu nähern. Rolf Hermann und Michael Stauffer führen zusammen mit der aktuellen Stipendiatin Melanie S. Rose, die an diesem Abend letztmals in Langenthal im Rahmen ihres Stipendiums auftritt, Teile der beiden Hörspiele live auf. Das Hörspiel, das Eymann porträtiert, ist eine Mischung von Texten Eymanns und Aussagen von drei Zeitzeugen.

Zwei von ihnen, Eymanns Nichte Marga Dürst-Vogelsang und Eymanns Grossnichte Anna Stuby sind anwesend. Die dritte Zeitzeugin, Sylvia Klingler, ist aus gesundheitlichen Gründen abwesend, hätte aber gerne am Anlass teilgenommen, wie der Stiftungspräsident in seiner Eröffnungsrede berichtet.

Das verarbeitete Material zeige eine eigenständige und unabhängige Persönlichkeit, sagt Michael Stauffer. «Das ist auch heute sehr selten. Sie war deshalb vielleicht auch ein sehr freier Mensch.» Die auf eine Leinwand im Saal projektierten Bilder Eymanns unterstreichen diese Meinung.

Zu sehen ist eine Frau, die sich nicht um Kleidung und Aussehen kümmerte, die Tätigkeiten ausübte, die eher Männern als Frauen zugemutet werden. Zudem rauchte sie und fuhr Auto, was damals Frauen nicht einfach zugestanden wurde und sie setzte sich politisch gegen Ungerechtigkeiten und für Umweltschutz ein. Sei es mit Texten im Langenthaler Tagblatt oder mit persönlicher Tatkraft.

 

Eigene Interpretationen

Das Trio, das das Hörspiel live spricht, hält mit eigenen Interpretationen zur Person von Lydia Eymann nicht zurück. So kommt beispielsweise Eymanns Text zur allumfassenden Vogel- und Entenliebe auf der CD relativ sachlich daher. Live gesprochen spürt man, dass diese Entenliebe den Mitmenschen auch auf den Nerv gehen konnte.

Das Publikum erfährt aber auch, wie aktuell das Wirken dieses Langenthaler Originals ist. Rolf Hermann streicht dabei Eymanns Themen wie Gleichberechtigung und eben Umweltschutz hervor. Er habe ihre vielen Kolumnen gelesen. «Die könnte man heute ebenso gut veröffentlichen, und sie würden mit dem gleichen Interesse wie damals gelesen», sagt Hermann überzeugt. Sie habe sich damals unbeirrbar für ihre Anliegen eingesetzt und sich von nichts abschrecken lassen.

Von Simone Tanner | Erschienen

im Bieler Tagblatt

30. März 2012

 

Porträt einer Aufmüpfigen

 

Lydia Eymann war eine, wie es keine zweite gab – ein Langenthaler Original. Nun haben sich zwei Bieler Autoren ihrer Texte angenommen und daraus zwei amüsante Hörspiele gemacht.

 

Lydia Eymann hat den Leuten gezeigt, wo Bartli den Most holt. Die umtriebige, unbequeme, auf-

müpfige Langenthalerin (1901–1972) setzte sich für die Fische im Stadtbach «Langete» genau so ein wie für das Frauenstimmrecht. Ungerechtig-keit und Umweltverschmutzung waren der wider-

spenstigen Dame mit dem zerzausten Haar und der Latzhose ein Dorn im Auge. Ihrer Unzufrie-

denheit über gewisse Zustände machte LE, wie sie sich selbst nannte, in Glossen, Gedichten,

Erzählungen und Illustrationen Luft.

 

Sie war als Schriftstellerin, Fotografin und bildende Künstlerin tätig. Abgesehen von einzelnen Kolumnen und Leserbriefen im

«Langenthaler Tagblatt» blieben ihre Texte der Öffentlichkeit jedoch verwehrt. Bis jetzt.

 

Inszeniertes Begräbnis

 

Die zwei in Biel wohnhaften Autoren Rolf Hermann und Michael Stauffer haben sich im Auftrag der Stiftung Lydia Eymann LEs Person und ihrer Texte angenommen. «Es ist so viel Material vorhanden,

man könnte locker ein Buch machen», sagt Rolf Hermann. Entstanden sind nun aber zwei Hör-

spiele das «Porträt von LE» und «Kriminal-geschichte».

 

Vor allem die «grosse spielerische Freude am Texten» der LE hat es den beiden Bieler Autoren

angetan. Nach dem Durchforsten des Archivs führte Hermann auch Interviews mit Verwandten und Bekannten Lydia Eymanns. Aus den Texten und Interviews hat er zusammen mit Michael Stauffer ein mehrstimmiges, amüsantes, mit Musik unterlegtes Hörporträt der Widerspenstigen komponiert.

Ihre Wunderlichkeit zeigt sich gleich im ersten Kapitel « Das LE-Fescht ». Zehn Monate vor ihrem Tod inszenierte LE ihren 70. Geburtstag nämlich als Begräbnisfeier. LE wollte dabei sein, und «luege, was die alli no frässi», erinnert sich eine Freundin. «Da ich nicht weiss, wenn es mich putzt, will ich an meiner Grebt noch läbig dabei sein», schrieb LE auf die Einladungskarte. In dem Zitat widerspiegelt sich ihre Verschrobenheit, Direktheit und gleichzeitig ihr Umgang mit der Sprache.

 

«Ihre Texte haben alle einen sehr mündlichen

Charakter», sagt Hermann, weshalb sich die Form

des Hörspiels auch angeboten habe.

 

LE bekannter machen

 

«Lydia Eymann war der Zeit weit voraus und ist

ein Vorbild in vielerlei Hinsicht», findet Hermann

und betont dabei vor allem ihre Neugier und den

Mut. Deshalb ist es ihm und Michael Stauf-

fer auch ein Anliegen, die «verrückte, tolle

Dame», das « Rabauzli», wie sie eine Bekannte

nennt, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt-

zumachen.

 

INFO: Rolf Hermann / Michael Stauffer: Lydia Eymann, 2 Hörspiele.

Herausgeber: Stiftung Lydia Eymann.

Der gesunde Menschenverstand,

2012, 34 Franken

 

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Von sim | Erschienen in Basler Zeitung

08. April 2012

 

Dorf-Original

 

Meistens trug sie eine Latzhose, von ihr selbst-

ironisch «Spielhösli» genannt. Ohne Zigarette im

Mundwinkel war die unverbesserliche Schloterin

nie zu sehen. Ihre Leidenschaft galt dem

Fischen, der Malerei und vor allem dem

Polisitieren. Das Städtchen Langenthal hatte an

Lydia Eymann (1901-1972) ein Dorf-Original, ein

der ersten Naturaktivistinnen sowie eine

begnadete Satirikerin. Nach Wander-

und Bohèmejahren in London und Paris war sie

bis zu ihrem Tod an der Aarwangenstrasse 55 in

Langenthal daheim, von wo aus sie mit ihrem

unverkennbar knochentrocken Humor

agitierte. Bis auf Glossen und Leserbriefe

im «Langenthaler Tagblatt» sind Eymanns Texte

bis heute unveröffentlicht geblieben. Mit

Zeitzeugenaussagen, Briefen und Tagebuch-

notizen komponieren Rolf Hermann und Michael

Stauffer das «Porträt von LE» als ein

vielstimmiges und musikalisch begleitetes

Dokumentarhörspiel. Eymanns versponnener 

«Kriminalroman» setzt im zweiten Hörspiel das

Tüpfelchen auf das i.